So ein erfülltes Leben

Originaltitel:
(So ein erfülltes Leben)
Autor:innen:

Achminow, Nina

Kategorie:
Ernstes

Isolde:     Wie fühlst du dich?

Theodor: Wie soll ich mich schon fühlen. Für einen Menschen, der es gewohnt       war, über seinen Geist und über seinen Körper zu gebieten, ist es entwürdigend, als Greis zu enden. Aber das Greisentum im Endstadium bleibt uns ja wohl erspart. In Anbetracht der Allgegenwärtigkeit der Karzinogene.

Isolde:     Na siehst du. Hat doch alles wieder auch sein Gutes.

Theodor  Das sieht dir ähnlich. Dass du das so siehst.

So ein erfülltes Leben haben sie gehabt! Theodor und Isolde sind ein Paar seit Jugendtagen. Routiniert werfen sie sich ihre Sticheleien  zu in  ihrer lebenslangen, nicht nur gesunden Symbiose. Die beiden finden sich im Elternhaus wieder, wo sie granteln und  sinnieren, hadern und  philosophieren. Erinnerungen werden wach und eine engelsgleiche Gestalt, Robin, die beide nicht kennen, verpflegt sie mit Kaffee, mit Kuchen, aber vor allem mit Allwissenheit. Besonders, was die Tochter der beiden betrifft, die sie so gerne (noch einmal?) sehen würden. Aber was hätten sie ihr zu sagen? Was haben sie aus ihrem Erbe, was haben sie aus der Welt gemacht? Sie, und mit ihnen ihre Generation?

So sehr das Stück um den Tod und die Gedanken zum Tod kreist, so sehr liebt es das Leben. Mit allen seinen Höhen und Tiefen, die schonungslos ausgesprochen werden. Im Hier und im Jetzt, wo und was auch immer das Jetzt sein mag. Die Hölle  –  das müssen nicht die anderen sein. Der Blick auf das eigene Leben genügt. Aber vielleicht  gibt es noch einen Ausweg?

Robin:    Oh, wow! Was für ein Bild. Das Haus die Welt. Der Garten das Paradies. Und jetzt ist dieses Haus marode. Und der Garten? Ist der verdorrt? Ist er vergiftet?  Wie konnte das passieren?  Und Sie? Sie sind am Ende.  Warum? Was meinen Sie? Warum ist es so weit gekommen? Was ging schief?