Orpheus in der Unterwelt

Originaltitel:
(Orphée aux enfers)
Kategorie:
Musikalisches
Besetzung:

Pigor, Thomas / Israel, Christoph / Offenbach, Jacques

Operette

Orpheus in der Unterwelt, das seit seiner Uraufführung im Jahre 1858 in unzähligen Bearbeitungen wieder und wieder aufgeführt wurde, ist wohl eine der erfolgreichsten Operetten überhaupt. Offenbach und seine kongenialen Librettisten Halévy und Crémieux haben ein Werk geschaffen, das die alte Sage von Orpheus und Eurydice auf eine sehr gelungene Weise persifliert. Im Gegensatz zu den vielen Bearbeitungen, die das Stück häufig mit Sozialkritik oder Pathos überfrachten, wirkt das Original-Libretto mit seinem trockenen Humor, mit der Freude an szenischen Brüchen, Blödeleien und Wortspielen geradezu modern.

Der Kabarettist und Autor Thomas Pigor hat zusammen mit dem Komponisten Christoph Israel ausgehend vom französischen Original-Libretto eine aktuelle Bearbeitung erstellt, die sich wenig um die deutsche Aufführungspraxis der vergangenen 155 Jahre schert, sondern den kühnen Versuch unternimmt, den Esprit des Originals in einer heutigen Sprache und Erzählweise wiederauferstehen zu lassen. Alle Texte, auch die Gesangstexte, wurden neu übersetzt oder nachgetextet, es wurde gründlich gekürzt und entrümpelt, es wurde umgestellt, die Besetzung verkleinert und die humoristischen Referenzen dem Kenntnisstand des heutigen Publikums angepasst.

Die Version wurde 2011 an der Berliner Staatsoper erstmals inszeniert und von der Kritik völlig verrissen. Zu Unrecht. Mit der richtigen Mischung aus Respektlosigkeit und Respekt vor dem Original hat Pigor eine Bearbeitung geschaffen, die dem geistreichen Humor der Offenbach´schen Librettisten sehr nahe kommt. Hier tümelt nichts mehr, alles wirkt heutig, frisch und frech. Die Figuren kalauern, witzeln, persiflieren und fallen aus der Rolle, wie im Original.

Es liegen zwei musikalische Versionen vor:

1. Eine am Offenbach´schen Original orientierte Fassung für kleines Orchester.

Besetzung:
Violine I
Flöte /Piccoloflöte
Harfe
Violine II
Oboe
Klavier/Kino Orgel
Viola
Klarinette in A/B
Percussion
Violoncello
Fagott
Kontrabass

Frauenchor

2. Eine Fassung (Israel, Wefelmeyer und Frenzel) in der Tonsprache des 20.Jahrhunderts, die sich, mit Banjo, Schlagzeug und Saxophon, mehr rhythmische und harmonische Freiheiten herausnimmt. Wenn man Anklänge an Kurt Weill vermutet, liegt man sicher nicht ganz falsch.

Besetzung:
Violine
Altsaxophon in Es
Klavier/(Kino-)Orgel
Violoncello
Klarinette in A/B
Gitarre/Banjo
Kontrabass
Fagott
Perkussion
Trompete in B
Posaune

Frauenchor

Beide Fassungen halten sich weitgehend an die Offenbach´schen Melodien, die Begleitung ist im jeweiligen Stil neu arrangiert. Statt des gemischten Chors der Originalfassung kommen beide Bearbeitungen mit einem Frauenchor aus. Bei der Erstinszenierung wurden die Rollen (bis auf Eurydice) mit singenden Schauspielern besetzt. Eine Praxis, die zu Offenbachs Zeiten durchaus üblich war.

An der Staatsoper läuft die Inszenierung von Philipp Stölzl jetzt übrigens erfolgreich in der dritten Spielzeit (2013/14).

Orpheus in der Unterwelt
Musik: Jacques Offenbach
Musikalische Bearbeitung 1: Christoph Israel
Musikalische Bearbeitung 2: Christoph Israel, Ingo Frenzel, Bernd Werfelmeyer

Libretto: Hector Crémieux, Ludovic Halévy
Textliche Bearbeitung: Thomas Pigor