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2020: Ein Geburtstag in Berlin

 

Herbst 2008. Am Telefon ist Dieter Hallervorden. Ich bin erstaunt, denn eigentlich hat der Kabarettist nichts mit einem Theaterverlag am Hut. Unter dem Siegel der Verschwiegenheit erzählt er mir, dass er mit der Stadt Berlin schon  sehr weit in den Verhandlungen ist, das Schlosstheater in Steglitz zu übernehmen.

Er fragt, ob ich ein Stück wüsste, in dem er spielen könnte zur Eröffnung des Theaters am 1. September 2009 unter seiner Leitung.  Ich weiss eins und wir verabreden uns, das Stück gemeinsam in Orléans anzusehen.

Treffen am Flughafen Tegel. Ich glaube fast, ich hätte alles Mögliche  durch die Kontrolle schmuggeln können, denn aller Augen und Ohren sind auf ihn und sein Gepäck gerichtet. Autogramm hier, Foto dort. In Frankreich  – er spricht ein ausgezeichnetes Französisch – kann ich ihn beobachten, wie er Theater ansieht: völlig entspannt, aber total konzentriert und nach der Vorstellung weiss er Details, die ich beim dritten Mal sehen noch nicht bemerkt hatte.

Er nahm das Stück also tatsächlich auf seinen Spielplan zur Eröffnung des Hauses. Der Titel: Die Socken Opus 124. Der Titel ließ einen typischen Hallervorden erwarten, aber den gab es nicht, zumindest nicht im bisher gewohnten Sinn. Seine Rechnung ging auf, es war ein „Überraschungserfolg“. Ein Fest zu sehen, wie sich jemand endlich seinen grossen Lebenstraum erfüllt hat: ein eigenes Theater, frisch renoviert und voll besetzt.

Im Renovieren hatte er ja Übung, hat er doch schon die Spielstätte der „Wühlmäuse“ renoviert und auf Vordermann gebracht.

In einem weiteren Stück in dieser ersten Spielzeit im Schlossparktheater spielte er einen fiesen Ministerpräsidenten. In den ersten Minuten hörte und spürte man die Irritation im Publikum fast körperlich: so kannte man ihn nicht.  Dann aber folgte ihm das Publikum hypnotisiert durch das Stück.

In der Folge dieses Karriereumschwungs kamen jetzt Filmangebote mit attraktiven Rollen auf ihn zu. Auch auf der Leinwand ein völlig anderer Hallervorden. Eine totale Wandlung

Seit der Eröffnung des Schlossparktheaters sind 11 Jahre vergangen, es gab Ups und Downs, wie in jedem Haus. Er hat sie alle überstanden und feiert nun seinen 85. Geburtstag auf der eigenen Bühne, wieder mit einem französischen Stück, das er auch selbst übersetzt hat. (Wo er die Zeit dazu her nimmt, neben seinen Intendantenverpflichtungen und vielen Drehtagen?)

 Wir wünschen toi toi toi und viele weitere Jahre.                                          © Gi 2020