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Dunkle Zärtlichkeit

11.04.18 + schauspiel

Paloma, eine Schauspielerin, lernt zu Hause in ihrem romantischen und ungewöhnlich dekorierten Apartment die Rolle der Königin Maria in Schillers Stück Maria Stuart. Von ihrem Regisseur Andreas bekommt sie über skype Regieanweisungen. Der hat sich in das Schloss, in dem Maria Stuart gefangen war, zurückgezogen, sogar über Nacht einsperren lassen, um dem Geist der historischen Maria auf diese Weise nahe sein zu können. Für die Rolle der Königin Elisabeth engagierte er Hugo, einen jungen Mann, was erst einmal herbe Proteste seitens Paloma auslöst. Im Laufe der Proben führt das sogar so weit, dass er nur knapp einem Tötungsversuch Palomas entkommt, die – ganz in der Rolle Maria Stuarts – in Hugo ihre Rivalin sieht. Doch war es wirklich der Geist Maria Stuart, der hier wirkte?

Hugo, der alle liebt, egal, was sie tun, bezeichnet sich selbst als „indigo“: „Von leidenschaftlicher Liebe verstehe ich gar nichts. Ich bin indigo, das heißt, meine Liebe ist allumfassend, groß, aber vielleicht auch mit großem Maß. Ich liebe alle, verstehst du?“ Nein, Paloma versteht nicht, sie widerspricht: „Ich glaube, wer alle liebt, liebt niemand.

Geister, oder Götter, oder einfach magische Wesen sorgen bei Denise Despeyroux für ein irreales Abenteuer. Die aus Uruguay stammende Autorin schildert an der unglücklichen Figur der Maria Stuart in diesem Stück deren Verstrickungen und Fehlschläge, und schlägt dabei den Bogen zu heutigem zwischenmenschlichem Verhalten und Fehlverhalten. Die Autorin webt so ein phantastisches Märchen, in das historische Details einfließen, über die Liebe zwischen Mann und Frau, die am Ende über alles siegt.

Fear less, love more!

1 D, 2 H, 1 Dek – frei zur DSE

UA: Juni 2016, The Gate Theatre, Notting Hill