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Was macht ein Theaterverlag

THEATER TRIER   Am Augustinerhof 3   54290 Trier 

To whom it may concern

Die Theaterverlage in Deutschland spielen eine wesentliche, unverzichtbare Rolle als Vermittler zwischen Urhebern – Autoren, Komponisten, Übersetzern usw.- einerseits, und Produzenten – Theatern, Medien – andererseits. Dabei sind sie in vielen Bereichen tätig, in denen die Theater selbst nicht aktiv werden können.

Die Theaterverlage beobachten und sondieren den umfangreichen deutschsprachigen wie den gesamten internationalen Markt für Bühnenwerke – eine Aufgabe, mit der jede Theaterdramaturgie schon rein personell und zeitlich vollkommen überfordert wäre. Sie filtern die bei ihnen eingehenden oder von ihnen angeforderten Werke durch ein sachgemäßes Lektorat und garantieren dabei eine erhebliche Qualitätskontrolle – eine Tatsache, die mich bei direkt von Autoren zugesandten Werken prinzipiell veranlasst, die Urheber an die Verlage zu verweisen und ohne Verlagsvertretung grds. kein Stück zur Aufführung zu bringen. Oft fördern die Verlage neue Autoren oder Komponisten und betreuen diese ebenso wie arrivierte Urheber häufig von der ersten Stückidee bis zur Uraufführung und darüber hinaus zur weiteren Verwertung der Werke. Dank ihrer Kenntnis der Theaterlandschaft bewerben sie die von ihnen vertretenen Werke gezielt bei Intendanten und Dramaturgen. Eine Aufgabe, die der einzelne Autor niemals mit gleichem Erfolg wahrnehmen könnte. Dabei werden die Theaterverlage unternehmerisch tätig, gehen für den Ankauf von Rechten erhebliche Risiken ein, die ebenso kein Theater jemals nur annähernd auf sich nehmen könnte oder dürfte.

Als Agenten stehen die Theaterverlage in ganz erheblichem Maße zwischen Bühnen und ausländischen Rechteinhabern, verhandeln dabei auf dem internationalen Markt in den unterschiedlichsten Rechtssystemen und Sprachen, beauftragen Übersetzer wie Bearbeiter und schaffen so erst verläßliche Grundlagen, mit denen die Theater die Aufführungsrechte für fremdsprachige Werke erwerben und abrechnen können. Wie wichtig und entlastend dies für die Bühnen ist, lässt sich am besten an den Fällen ermessen, in denen ausnahmsweise einmal kein Theaterverlag vermittelnd tätig wird: Bei Kompilationsshows bspw. – Theateraufführungen, in denen Werke von verschiedenen Urhebern verwoben werden und die nicht von einem Theaterverlag oder einer Verwertungsgesellschaft wie der GEMA vertreten werden.

Hier sind die Theater als Produzenten zur Erlangung des Aufführungsrechtes gezwungen, jeden einzelnen Urheber oder Erben bzw. deren Rechtsvertreter ausfindig zu machen und die Lizenzierung bis ins Detail zu verhandeln, ohne dabei die Rechtssicherheit zu haben, die sich aus den tariflichen Vereinbarungen zwischen Deutschem Bühnenverein und Verlegerverband ergeben. Auch größere Theater haben spätestens dann umfangreiche Probleme, innerhalb ihrer Mitarbeiterschaft das sowohl juristische wie dramaturgische Knowhow zusammenzustellen, das zum rechtlich einwandfreien und wirtschaftlich sinnvollen Erwerb der Aufführungsrechte unabdingbar ist.

Ich kann aus nahezu 40-jähriger Erfahrung als Dramaturg und Intendant wie als Übersetzer und Autor bestätigen, dass die in Deutschland tätigen Theaterverlage für die Arbeit der Bühnen unverzichtbar sind. Sie stehen am Beginn der Produktion eines Bühnenwerkes und haben einen außerhalb der Branche vielleicht unterschätzten, im Kern aber entscheidenden Anteil am Wesen einer lebendigen und blühenden Theaterlandschaft.

  1. Juni 2020

Gez.:   Manfred Langner

Intendant

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

THEATER TRIER Intendant Manfred Langner I Verwaltungsdirektor Herbert Müller                                 theater-trier.de                                         THEATERKASSE T 0651 /718 18 18 1 F 0651/ 718 14 68 I E theaterkasse@trier.de                                                             BANKVERBINDUNG Sparkasse Trier I BlC TRISDE55 I IBAN DE19 5855 0130 0000 9000 Q1                                                       lRECHTSTRÄGER Stadt Trier 1 I  USt-ld.Nr. DE149876342

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Katharine Mehrling: Meine Geschichte mit Piaf

Ich habe sie immer noch, die Kassette. Darauf steht handgeschrieben ein Name: EDITH PIAF. Sie war ein Geschenk meiner ersten großen Liebe, Jérôme.

Als ich anfing, Musical und Schauspiel zu studieren, begleitete mich die Kassette nach London, und alles, was mich dort wirklich interessierte, war die PIAF. Denn ich war infiziert, fasziniert, berauscht, im Innersten berührt von ihrer schonungslosen Emotionalität.

So kann man singen, nein so MUSS man singen, wenn man eine Welt in sich trägt voller Sehnsüchte und Abgründe, voller Lebensfreude und Melancholie. Das lernt man auf keiner Schule, auch nicht in London.

Also, ging ich nach Paris, um sie zu suchen: diese Stimme, dieses Lebensgefühl, das gewisse „Savoir-vivre“. Das Freiheitsgefühl der Straßenmusik in den 30ern, das besetzte Paris der 40er, den wilden Jazz der 50er, das bohème Paris der 60er – im Film Noir Stil…

Natürlich fand ich es nicht! Doch ich entdeckte das kleine Paris in mir.

Nachts arbeitete ich als singende Kellnerin in einer Bar im 2. Arrondissement. In der Morgendämmerung fuhr ich mit dem Fahrrad in mein kleines Appartement am Montmartre und zählte im Bett meine Francs, mein wirklich hart verdientes Geld, das noch übrig blieb nach den vielen zerbrochenen Gläsern. Nachmittags begab ich mich auf die Spuren der Piaf.

Ich ging ihre Straßen entlang, sprach mit Leuten, die sie gekannt hatten, las alles über sie, was ich in die Finger kriegen konnte, und in meiner Fantasie reiste ich durch die Zeit

…Midnight in Paris….

Das Paris der 90er war nicht ganz so romantisch wie in meiner Vorstellung und die Pariser nicht ganz so charmant, aber ich lernte die Leichtigkeit des Seins, die Kunst des Genießens: Rotwein, Käse, Baguette, Café Crème, Crème Brûlée, Fruits de Mer, … la cuisine Française et la joie de vivre.

Zurück in Deutschland überzeugte ich einen Regisseur, mich die Piaf in einem Schauspiel mit Musik spielen zu lassen. Das war 1998 am Staatstheater Kassel. Eigentlich zu jung für diese selbstzerstörerische Figur, aber die künstlerische Identifikation war so stark –  alles in mir sehnte sich danach, diese Rolle zu verkörpern. Es wurde ein großer Erfolg und für mich jeden Abend eine Reise in ungeahnte Tiefen, die mich Tage danach noch verfolgten.

Ich spielte die Piaf in Bielefeld, Berlin und tja, auch beinah im Pariser Olympia, aber das ist eine andere Geschichte.

Die Piaf hat mich inspiriert, meine eigenen Lieder zu schreiben, aus mir selbst zu schöpfen, meine Persönlichkeit blühen zu lassen in all ihrer komplexen Ambivalenz, meinen Weg und meine Umwege zu gehen.

Sie lehrte mich, diesen Beruf zu leben, ihn zu fühlen, ihn nicht als Job zu betrachten, sondern mich als Reisende, als Suchende nach der Wahrhaftigkeit zu verstehen und genau das zu teilen.

Piaf au Bar ist meine ganz persönliche Liebeserklärung, eine Symbiose aus meiner Liebe zum Jazz und meiner ungebrochenen Leidenschaft für die Piaf.

                                                                                                                           © Katharine Mehrling 2020

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2020: Ein Geburtstag in Berlin

 

Herbst 2008. Am Telefon ist Dieter Hallervorden. Ich bin erstaunt, denn eigentlich hat der Kabarettist nichts mit einem Theaterverlag am Hut. Unter dem Siegel der Verschwiegenheit erzählt er mir, dass er mit der Stadt Berlin schon  sehr weit in den Verhandlungen ist, das Schlosstheater in Steglitz zu übernehmen.

Er fragt, ob ich ein Stück wüsste, in dem er spielen könnte zur Eröffnung des Theaters am 1. September 2009 unter seiner Leitung.  Ich weiss eins und wir verabreden uns, das Stück gemeinsam in Orléans anzusehen.

Treffen am Flughafen Tegel. Ich glaube fast, ich hätte alles Mögliche  durch die Kontrolle schmuggeln können, denn aller Augen und Ohren sind auf ihn und sein Gepäck gerichtet. Autogramm hier, Foto dort. In Frankreich  – er spricht ein ausgezeichnetes Französisch – kann ich ihn beobachten, wie er Theater ansieht: völlig entspannt, aber total konzentriert und nach der Vorstellung weiss er Details, die ich beim dritten Mal sehen noch nicht bemerkt hatte.

Er nahm das Stück also tatsächlich auf seinen Spielplan zur Eröffnung des Hauses. Der Titel: Die Socken Opus 124. Der Titel ließ einen typischen Hallervorden erwarten, aber den gab es nicht, zumindest nicht im bisher gewohnten Sinn. Seine Rechnung ging auf, es war ein „Überraschungserfolg“. Ein Fest zu sehen, wie sich jemand endlich seinen grossen Lebenstraum erfüllt hat: ein eigenes Theater, frisch renoviert und voll besetzt.

Im Renovieren hatte er ja Übung, hat er doch schon die Spielstätte der „Wühlmäuse“ renoviert und auf Vordermann gebracht.

In einem weiteren Stück in dieser ersten Spielzeit im Schlossparktheater spielte er einen fiesen Ministerpräsidenten. In den ersten Minuten hörte und spürte man die Irritation im Publikum fast körperlich: so kannte man ihn nicht.  Dann aber folgte ihm das Publikum hypnotisiert durch das Stück.

In der Folge dieses Karriereumschwungs kamen jetzt Filmangebote mit attraktiven Rollen auf ihn zu. Auch auf der Leinwand ein völlig anderer Hallervorden. Eine totale Wandlung

Seit der Eröffnung des Schlossparktheaters sind 11 Jahre vergangen, es gab Ups und Downs, wie in jedem Haus. Er hat sie alle überstanden und feiert nun seinen 85. Geburtstag auf der eigenen Bühne, wieder mit einem französischen Stück, das er auch selbst übersetzt hat. (Wo er die Zeit dazu her nimmt, neben seinen Intendantenverpflichtungen und vielen Drehtagen?)

 Wir wünschen toi toi toi und viele weitere Jahre.                                          © Gi 2020 

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Mittelalter meets Moderne

 

Salzburger Festspiele 2020, ein Ausnahmejahr: die Festspiele feiern 100 jähriges Bestehen, und die Bedingungen sind der Ansteckung wegen die Ungünstigsten, die man sich denken kann. Aber nichts kann die Kreativen abhalten. Es wurde und wird alles getan, um die Festspiele stattfinden zu lassen. Jetzt erst recht.

Nicht nur das grosse klassische Programm macht Appetit, es gibt auch Kleinode zu entdecken, die eher im Verborgenen blühen, räumlich wie auch vom Inhalt her. Und: Karten für solche Events verkaufen sich komplett innerhalb 24 Stunden – wenn das Angebot stimmt.

Dazu gehört die GalerieThaddaeus Ropac, beheimatet  in der ungefähr 160 Jahre alten klassizistischen Villa Kast.  Dort, in den hohen, lichtdurchfluteten weissen Räumen findet eine  Ausstellung von  Gemälden des Malers  Anselm Kiefer statt mit Bildern, die dieser Walther von der Vogelweide gewidmet hat.

In den Räumen des Parterre und des ersten Stocks  der Villa,  deren Gartenfront an den Mirabellgarten grenzt mit einem grossartigen  Ausblick auf die blühenden, in  barocker Manier  geschwungenen Rabatten, hängen wunderbare grossformatige Bilder. Sie sind  in der Provence entstanden, und sie strahlen die sommerliche Hitze aus, riechen nach Heu und  atmen die Garrigue. Man hört die trockenen Halme knistern. Leuchtende Blüten dazwischen, und manchmal überraschende Objekte, wie zum Beispiel  alte Sensen oder Sicheln, sind in die Leinwände eingearbeitet. Das gibt den Bildern einen Hauch von früherer Zeit, und eine raue Ländlichkeit, nichts romantisches.

In diesem Ambiente liest Sunnyi Melles, seit vielen Jahren aktiver Gast der Festspiele, Gedichte von Walther von der Vogelweide.  Auf der klassizistischen Freitreppe stehend, mit Mundschutz und Visier geschützt (und trotzdem gut verständlich), liest sie die mittelalterlichen Texte, die durch ihre Liebesthematik nichts an Aktualität eingebüßt haben. Es wird gelitten und gesehnt, soziale Unterschiede hemmen und trennen. Sie nimmt die Textzitate, die in die Bilder Anselm Kiefers mit weisser Kreide eingearbeitet sind, als Aufhänger. „Under der linden“ lautet eines der Textzitate auf den Bildern und damit  leitet sie die Lesung ein. Nix ist süss, die Bilder nicht und die Texte nicht.  Ihr Vortrag ist ohne Pathos und das tut den Gedichten gut.

Eine wunderbar homogene Mischung von Mittelalter und Moderne. Ein wunderbarer Salzburgtag.                                                                                        © Gi 2020 

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Die wundersame Welt des Thierry Mugler

 

In der für ihre hochinteressanten Ausstellungen bekannten Kunsthalle der Hypo Kulturstiftung  München ist derzeit unter dem Titel Couturissime eine Zusammenstellung der Arbeiten des Kostümbildners und Couturiers Thierry Mugler zu sehen. Der gebürtige Elsässer und jetzt nach vielen Ortswechseln in Berlin ansässige Designer und Kostümausstatter hat ein sehr eigenes Frauenbild, das er mit seinen Kreationen von höchst weiblich bis roboterhaft technisch auslotet.

In seiner Geburtsstadt Straßburg vollzog  er seinen Einstieg ins Theater über seine Ballettausbildung als 14 Jähriger. Und natürlich kam er auch vom Theater nicht mehr los, denn alles was er entwarf hat einen theatralischen Touch, und wenn es nur das „kleine Schwarze“ ist. Entweder ist der Ausschnitt atemberaubend tief, oder der Rücken fehlt, jedenfalls ist nichts dabei, das man als „das Übliche“ bezeichnen könnte.

Sehr eindrucksvoll auch das Video seiner Ausstattung an der Comédie Francaise (1985) von Lady Macbeths Ende, ein 3-D-Hologramm von Michel Lemieux, in dem sich die wahnsinnig gewordene Lady in Flammen und Rauch auflöst. .

Pelze, Federn, Glitter und Glitzer, aber auch Chrom und Metallisches, Plastik in allen Variationen findet Verwendung, Roboterhaftes und aus dem Tierreich entlehntes, Märchenhaftes jedenfalls haftet allen Entwürfen an. Auch Autoreifen dienen als gestalterisches Material. Und jedes Kostüm ist ein Gesamtkunstwerk von Frisur oder Hut bis Handschuhe und Schuhe, Makeup und Accessoires.

Für die Installation der Ausstellung in gefühlt riesigen schwarzen Räumen mit Lackboden zeichnet Philipp Fürhofer. Ein ganz klein bisschen unheimliches Märchenland, in dem man sich wohlig gruseln kann.

© Gi 2020