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Das Spiel der Schahrazad

24.05.18 + schauspiel

 

Feudal strukturierten Systemen, die nicht hinterfragt werden, wohnt die Gefahr inne, Menschen ihrer Freiheit zu berauben und Leid zu erzeugen. Märchensammlungen wie „1001 Nacht“ bündeln Erkenntnisse über das Leid wie die Liebe in mannigfacher Variation. Sie zeigen Wege auf, wie der Mensch sich von seinen inneren Dämonen wie seinen äußeren Fesseln befreit.

Turgay Nar, der in Instanbul lebende Autor, weiß, wovon er erzählt. Er lässt eine Geschichtenerzählerin agieren, die durch das Erzählen überlebt, aber gleichzeitig dem Erzählen von Lügenmärchen ein Ende setzt. Ihr Vater, mächtiger Wesir und eigentlicher Herrscher im Reiche des Königs Schahriyar, schuf in Schahriyar ein frauenmordendes Monster, indem er diesem die Wahrheit vorenthielt und mit Lügen fütterte. Mutig durchbricht seine Tochter, die Geschichtenerzählerin, das unendliche Leid und leitet damit die Schicksalswende ein – für sich, wie für die Gesellschaft ihres Landes.

„Das Spiel der Schahrazad schreibt die traditionelle Rahmenhandlung von 1001 Nacht als modernen Politthriller weiter“, titelt die Süddeutsche Zeitung gerade.

Das Stück wurde aus dem Türkischen ins Deutsche übersetzt von Ferdi Degirmencioglu.

 

3 D, 5 H

DSE: Mai 2018, Theater Augsburg, Augsburg

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Die Neue (AT)

20.04.18 + Schauspiel

Was machst du da? Spinnst du!? – Wer kennt sie nicht, diese Fragen und Sätze, die unser Verhalten beurteilen?

Auch Simon treffen diese Fragen, als er seinen beiden Söhnen  Mado vorstellt, die er heiraten will. Sicher, er ist zwanzig Jahre älter als Mado, er ist Witwer und gut situiert. Aber ist all das Grund genug, die Wände nicht neu streichen oder ein Klavier veräußern zu dürfen? Anscheinend, denn die familiären Spannungen kulminieren, bevor sich die Familie zum Essen setzt! Argumente für und gegen hat jeder, Verständnis für den Anderen weniger.

Doch als sich kurz darauf Cyril, Simons jüngerer Sohn, in Mados Tochter Victoire verliebt und für sie seine Frau wie sein neugeborenes Kind verlässt, dreht sich das Blatt. Mado wie Simon missbilligen diese Entwicklung ganz entschieden. Cyril reagiert gelassen. Er bleibt bei seiner Entscheidung.

Das Geheimnis des älteren Sohnes Axel, ein Mega-Fan des Chillen, lüftet sich erst kurz vor Stückende. Auch er hat keine Lust, sich dem moralischen Regelwerk zu beugen, das jeder seiner Familienangehörigen vertritt.

Dem Autor gelingt hier die geniale Verknüpfung einer bitter-bösen Familiengeschichte mit einem fulminanten Happy End.

 

2 D  3 H, 1 Dek.

UA: September 2017, Théâtre de la Madeleine, Paris

DSE : September 2018, St. Pauli Theater, Hamburg

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Dunkle Zärtlichkeit

11.04.18 + schauspiel

Paloma, eine Schauspielerin, lernt zu Hause in ihrem romantischen und ungewöhnlich dekorierten Apartment die Rolle der Königin Maria in Schillers Stück Maria Stuart. Von ihrem Regisseur Andreas bekommt sie über skype Regieanweisungen. Der hat sich in das Schloss, in dem Maria Stuart gefangen war, zurückgezogen, sogar über Nacht einsperren lassen, um dem Geist der historischen Maria auf diese Weise nahe sein zu können. Für die Rolle der Königin Elisabeth engagierte er Hugo, einen jungen Mann, was erst einmal herbe Proteste seitens Paloma auslöst. Im Laufe der Proben führt das sogar so weit, dass er nur knapp einem Tötungsversuch Palomas entkommt, die – ganz in der Rolle Maria Stuarts – in Hugo ihre Rivalin sieht. Doch war es wirklich der Geist Maria Stuart, der hier wirkte?

Hugo, der alle liebt, egal, was sie tun, bezeichnet sich selbst als „indigo“: „Von leidenschaftlicher Liebe verstehe ich gar nichts. Ich bin indigo, das heißt, meine Liebe ist allumfassend, groß, aber vielleicht auch mit großem Maß. Ich liebe alle, verstehst du?“ Nein, Paloma versteht nicht, sie widerspricht: „Ich glaube, wer alle liebt, liebt niemand.

Geister, oder Götter, oder einfach magische Wesen sorgen bei Denise Despeyroux für ein irreales Abenteuer. Die aus Uruguay stammende Autorin schildert an der unglücklichen Figur der Maria Stuart in diesem Stück deren Verstrickungen und Fehlschläge, und schlägt dabei den Bogen zu heutigem zwischenmenschlichem Verhalten und Fehlverhalten. Die Autorin webt so ein phantastisches Märchen, in das historische Details einfließen, über die Liebe zwischen Mann und Frau, die am Ende über alles siegt.

Fear less, love more!

1 D, 2 H, 1 Dek – frei zur DSE

UA: Juni 2016, The Gate Theatre, Notting Hill