Nach einem langen und erfüllten Leben

(Nach einem langen und erfüllten Leben)

Achminow, Nina

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Beschreibung

Achminow, Nina

Schauspiel

2 D, 1 H, 1 Dek.

Isolde:        Wie fühlst du dich?
 
Theodor:    Wie soll ich mich schon fühlen. Für einen Menschen, der es gewohnt war, über seinen Geist und über seinen Körper zu gebieten, ist es entwürdigend, als Greis zu enden. Aber das Greisentum im Endstadium bleibt uns ja wohl erspart. In Anbetracht der Allgegenwärtigkeit der Karzinogene.
 
Ein Märchen nennt die Autorin ihr Werk. Und tatsächlich mutet das Stück bitter und süß gleichzeitig, aber vor allem durch den Rahmen, den sie schafft, eigentümlich verzaubernd an.
 
Theodor und Isolde, ein rüstiges Ehepaar, das so wenig alt ist, wie es dafür um so mehr granteln, sinnieren und philosophieren kann, findet sich im Elternhaus wieder, Erinnerungen werden wach und eine engelsgleiche Gestalt, Robin, die beide nicht kennen, verpflegt sie mit Kaffee, mit Kuchen, aber vor allem mit Allwissenheit. Besonders, was die Tochter der beiden betrifft, die sie gerne (noch einmal?) sehen würden, und die doch nie auftaucht.
 
So sehr das Stück um den Tod und die Gedanken zum Tod kreist, so sehr beschäftigt, hadert, lächelt und liebt es das Leben. Mit allen seinen Höhen und Tiefen, die schonungslos ausgesprochen werden. Im Hier und im Jetzt, wo und was auch immer das Jetzt sein mag.
 
Isolde:        Als Eltern muss man seine Kinder gehen lassen. Und seine Eltern muss man auch gehen lassen. Als Tochter. Ich hätte mich gefreut, wenn wir sie hier noch getroffen hätten. Ich habe wirklich gehofft, dass wir sie hier noch treffen. Aber wenn nicht, dann eben nicht. Wir können nicht ewig warten. Nicht ewig! Sie wird das verstehen. Sie wird das verstehen müssen.
 
Robin:        Ist es denn jetzt Zeit? Zeit zu gehen? Sind Sie so weit?

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