Dunkle Zärtlichkeit

(Ternura Negra)

Despeyroux, Denise
Übersetzung: Hartmut H. Forche und Jaime Román Briones

Artikelnummer: 871 Kategorien: , Schlüsselworte: ,

Beschreibung

Despeyroux, Denise

Schauspiel

Deutsch von Hartmut H. Forche und Jaime Román Briones

1 D, 2 H, 1 Dek.

Leidenschaft und Leid der Maria Stuart schildert Denise Despeyroux in diesem Stück, indem sie Paloma, eine Schauspielerin, die zuhause ihre Rolle studiert und dabei von Andreas Regieanweisungen via Skype bekommt, träumen und reflektieren lässt. Die Autorin webt so ein phantastisches Märchen, in das historisch dokumentierte Details einfließen, über die Liebe zwischen Mann und Frau, die am Ende über alles siegt. Fear less, love more!
Ein Statement, das sich als Fazit interpretieren lässt – zumal sich heute, wie in den Jahrhunderten zuvor, Angst und Liebe zwischen Liebenden vermischen und Leid erzeugen. Leid zwischen den königlichen Rivalinnen, Leid zwischen Herrscher und Beherrschten, Mann und Frau.
Doch da im Leben vieler Menschen Kräfte wirken, die die einen als Geister, die andern als Götter, wieder andere als magische Wesen bezeichnen oder einfach als Humbug abtun, sorgen diese Kräfte bei Denise Despeyroux für irreale Abenteuer: Andreas, der Regisseur, lässt sich in einem schottischen Schloss einschließen, um ganz den Geist Maria Stuarts erspüren zu können. Er engagiert Hugo, einen jungen Mann, der die Rolle der Königin Elisabeth spielt und nur knapp dem Tötungsversuch Palomas entkommt, die – ganz in der Rolle Maria Stuarts – in Hugo ihre Rivalin sieht. Doch war es wirklich der Geist Maria Stuarts, der hier wirkte? Oder verbirgt sich ein historisches Geheimnis hinter dieser Handlung, das die Autorin ausgegraben hat?
Hugo, der alle liebt, egal, was sie tun, wäre ein guter Gottvater, den man aus der Bibel kennt, würde er sich selbst nicht als „indigo“ bezeichnen: „Von leidenschaftlicher Liebe verstehe ich gar nichts. Ich bin indigo, das heißt, meine Liebe ist allumfassend, groß, aber vielleicht auch mit großem Maß. Ich liebe alle, verstehst du?“ Nein, Paloma versteht nicht, sie widerspricht: „Ich glaube, wer alle liebt, liebt niemand. Eine Frau verliebt sich in einen Mann, weil er sie plötzlich sieht. Vielleicht dauert es nur eine Sekunde, das ist das Tragische. Es ist nur eine Sekunde. Er sieht sie an und dieser Blick bleibt im Gedächtnis einer Frau eingegraben für immer.“ Doch auch die moderne Paloma glaubt an einen Gott: „An diesen Gott, der uns liebt, um den Tod zu verspotten.“ An ihn richtet sie ihr Gebet, einfach und klar: „Möge kein menschliches Wesen sich trauen, einem anderen menschlichen Wesen zu sagen, was Liebe ist und was nicht.“ Das Göttliche ist nicht im Heiligen zu erkennen, sondern in dem, was zwischen und um uns Menschen herum geschieht.
Im Geflecht der Blicke – dem, was sich vor aller Augen abspielt – sehen wir es und wir sehen zugleich Menschen, die es ebenfalls sehen oder eben nicht sehen. Ganz wie in den Werken von Tintoretto oder Schiller.

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