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Urheberrecht oder Wer hat’s erfunden?

Tja, was macht Litag gerade – jetzt wo der Kreativität  Grenzen verpasst worden sind. Ich habe über das Urheberrecht nachgedacht. Trockener Stoff? Nö, gar nicht.

Dass es in Frankreich entstanden ist, wissen wohl viele, aber dass es  Beaumarchais war, der es „erfunden“ hat, das wissen schon sehr viel weniger. Beaumarchais, genau der von Figaros Hochzeit/der tollste Tag.

Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais, 1732 in Paris geboren, hat als Uhrmacher, Hofbeamter, Musiker, Spekulant, Schriftsteller, Verleger, Geheimagent, Waffenhändler und Revolutionär gearbeitet, ein ziemlich bunter Vogel also.

Sein Erfolg als Autor hat ihn erst so richtig aufmüpfig werden lassen, denn nach dem Erfolg seines Barbier von Sevilla hatte er die Behandlung durch die Schauspieler der Comédie Francaise satt. Am 3. Juli 1777 lud er seine Autorenkollegen und Leidensbrüder zu sich zu einem Abendessen ein. Die besten Ideen diskutiert man eben bei einem tollen Menue. Das Souper der Dreissig (ja, es waren dreissig Kollegen, und alle unter einem Dach, bzw in einem Raum, kaum vorstellbar) schrieb Geschichte : An diesem Abend schlug er den Kollegen vor, eine Gesellschaft zum Schutz der Rechte der Theaterautoren zu gründen, die Société des Auteurs Dramatiques. Aus dieser Société wurde knapp 50 Jahre später die heute noch existierende SACD in Paris.

1841 hat Lamartine bereits  internationales Recht für die Autoren und ihre Werke gefordert, aber es dauerte noch bis 1886 und brauchte einen Schubs (es war eher ein Tritt) von Victor Hugo, um daraus ein Europäisches Recht zu machen.

Für mich ein Beweis, dass wir, die Autoren und Komponisten und deren Agenten, die Vorreiter für europäisches Denken auf kultureller Ebene sind.

                                                                                                         ©    Gi 2021

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DOWNTON ABBEY – das Gespräch mit CLARE, der stolzen Mummy

Das Historiendrama „Downton Abbey“, eine britische Fernsehserie, die international riesige Erfolge feiern konnte, spielt im Vereinigten Königreich zu Beginn des 20. Jahrhunderts und thematisiert das Schicksal mehrerer Generationen einer Adelsfamilie parallel zur Geschichte jedes einzelnen Mitglieds des Schlosspersonals. Auf diese Weise findet die Dramaserie auf zwei Ebenen statt, was der Spannung eine besondere Brisanz verleiht. Ausgesprochen erfreulich ist die Detailgenauigkeit, mit der die Charaktere präsentiert werden. Drehbuchautor Julian Fellowes ist es zudem hervorragend gelungen, die bedeutendsten Ereignisse und Umbrüche der Zeit, wie z.B. Ausbruch des Ersten Weltkriegs, Spanische Grippe, irischer Unabhängigkeitskrieg, konfliktreiche Durchsetzung des Frauenwahlrechts sowie viele tragische Gegebenheiten wie den Untergang des seinerzeit größten Schiffes der Welt (Titanic) usw. geistreich in die Handlung einzubauen. Als Drehort für die Schlossszenen rund um das Anwesen „Downton Abbey“ diente das Highclere Castle in Hampshire, während die „gewöhnlichen“ Räumlichkeiten in den Ealing Studios London gefilmt wurden.      

 

Auch in Deutschland avancierte „Downton Abbey“ zu einer extrem beliebten TV-Serie – mit einer gewogeneren Sendezeit hätte es „Downton Abbey“ mit Sicherheit sogar zu NOCH größerem Zuschaueranhang gebracht. Auch in Sachen deutschsprachige Erstausstrahlung wurde das Historiendrama vom deutschen Free-TV eher stiefmütterlich behandelt. Die Fernsehzuschauer im Vereinigten Königreich konnten die Premiere bereits im Herbst 2010 genießen. Mitte 2011 kam die Serie ins deutsche Pay-TV. Die deutschsprachige Free-TV Ausstrahlung erfolgte gar erst im Schweizer Fernsehen (Juli 2012) bevor das deutsche Free-TV endlich nachzog und zu Weihnachten 2012 die ersten Episoden der Staffel 1 ausstrahlte. Da hatten die Briten bereits mit Spannung Staffel 3 hinter sich gebracht.    

 

Es geht in erster Linie um die Familie Crawley und da steht ab dem Weihnachtsspecial 2012 bzw. ab Staffel 4 für Mary und Matthew Crawley Nachwuchs in Haus. Oder in diesem Fall: ins Schloss. Mary und Matthew bekommen Sohn George. Mit dem Kinderdarsteller respektive altersgerecht den beiden Darstellern des George Crawley, Oliver und Zac Barker, haben wir uns unterhalten.

 

Oliver und Zac sind die Jungs der Barker-Drillinge, sie haben noch eine Schwester, Megan. Und falls Ihnen jetzt ein paar Namen bekannt vorkommen, ja, die Namensgleichheit des Crawley-Nachwuchses „George“ wie auch von „Megan“ mit etwaigen britisch/amerikanischen Berühmtheiten beruht auf purem Zufall … Dennoch können sich die Barker-Jungs mittlerweile ihre persönliche Schreibassistentin leisten – Mummy Clare hat unsere Fragen, natürlich in Absprache mit Oliver und Zac, beantwortet.

 

 

Julie Nezami-Tavi: Wir wissen in Deutschland relativ wenig über eure Anfänge, kannst du uns da was drüber erzählen? Wie seid ihr auf die Idee gekommen, euch für den “George-Crawley-Part” zu bewerben? Gab es hierfür Ausschreibungen mit offiziellem Vorsprechtermin? Wie alt waren Oliver und Zac, als sie ihre Karriere auf “Downton Abbey” starteten?

 

Clare Field-Barker: Geboren wurden Oliver, Zac und ihre Drillingsschwester Megan im September 2010 und zwar in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate). In 2013 sind wir dann ins Vereinigte Königreich zurückgezogen. Hier wohnten wir in einer Kleinstadt, wo eine Lokalreporterin anfragte, ob sie eine “Feel-Good-Story“ über die Drillinge schreiben dürfte, denn es waren die einzigen in der Stadt. Nach dieser Veröffentlichung kontaktierte uns eine Agentin, die auf identische Zwillinge für Film und Fernsehen spezialisiert war.“ [Anmerkung der Redaktion: Aus Jugendschutzgründen muss eine Rolle in dieser Altersklasse immer zwischen zwei identischen Zwillingen aufgeteilt werden, damit die Beanspruchung nicht über die Kräfte eines Kindes gehen.]

 

Zuerst habe ich abgelehnt, da wir gerade erst ins Vereinigte Königreich zurückgekehrt waren und ein neues Zuhause zu finden hatte oberste Priorität! Einige Monate später hat sie mich dann wieder kontaktiert. Sie sagte, dass ein beliebtes TV Drama sehr interessiert daran sei, die Jungs kennenzulernen. Also habe ich zugestimmt und wir fuhren hin, um das „Downton Abbey“ Besetzungsteam in den Ealing Studios in London zu treffen.

 

JNT: Mit welcher Erwartungshaltung seid ihr angetreten, d.h. wieviel Hoffnung hattet ihr überhaupt auf eine realistische Chance, die Rolle auch wirklich zu bekommen? Oder seid ihr, wie es dem britischen Humor entspricht, da einfach nur zum Spaß hingegangen? 

 

CFB: Schon das erste Zusammentreffen hat viel Spaß gemacht – die Jungs saßen mit dem Casting Direktor zusammen, lasen in den Geschichten und spielten einzelne Szenen durch. Sie sind seit jeher kontaktfreudig und aufgeschlossen, also eher extrovertierte Kinder. Daher waren sie glücklich, alle Aufmerksamkeit auf sich zu haben! Da es das erste Mal war, dass wir bei einem Casting waren, habe ich da nicht wirklich Erwartung rein interpretiert, weil ich den Jungs keine unnötige Hoffnung machen wollte. Dann, am nächsten Tag, bekamen wir einen Anruf mit der Aussage, dass „Downton Abbey“ Oliver and Zac sehr gerne engagieren würde, damit sich die beiden in die Rolle des „George Crawley“, beginnend von Staffel 5 aufwärts, hineinteilten.

 

JNT: Also, wenn ich mir die beiden so anschaue, muss ich sagen, sie sehen “Matthew Crawley” verdammt ähnlich. Bist du sicher, Darsteller Dan Stevens ist nicht deren echter Vater?    

 

CFB [lacht]: Oliver und Zac waren zu diesem Zeitpunkt erst drei Jahre alt, daher war mir klar, dass sie nicht nach “Schauspielern” suchten – sie suchten nach dem passend aussehenden Kind, um „George Crawley“ zu porträtieren.

 

JNT: Wie ist das, Bestandteil einer Serie zu werden, die so außerordentlich erfolgreich ist? Die Jungs werden das in dem Alter noch gar nicht realisiert haben, oder? Ein erwachsener Jungschauspieler versinkt ja erst einmal in Demut, zum einen beim Anblick der Besetzungsliste, zum anderen,  was das gesamte Umfeld, aber auch die beeindruckende Naturkulisse betrifft. Bei einem Kinderdarsteller ist es wohl eher der kindliche Respekt, der überwiegt.

Wie viel dieser Größenordnung des Formats und auch des Erfolgs waren sich Oliver und Zac in dem Alter bereits gewahr? Hat das gegebenenfalls Druck ausgelöst bzw. empfanden die beiden es dadurch als Arbeit oder konnten sie es durchweg genießen, Teil dieses gewaltigen Projektumfangs zu sein?

 

CFB: Da wir vorher in Dubai gelebt hatten, wussten wir nicht wirklich viel über „Downton Abbey“ und auch nicht, wie erfolgreich es war. Dennoch war uns klar, dass die Jungs sich sehr glücklich schätzen konnten, diese Rolle zu bekommen!

Mir war absolut bewusst, dass sich die Jungs einfach nur an der Erfahrung begeisterten, dass sie sich an dem Erlebnis erfreuten, es genossen und es nie als “Arbeit” empfanden. Oliver and Zac haben damals in keiner Weise wahrgenommen, dass das eine Riesensache von solchem Ausmaß war! 

Sie waren überglücklich, als sie dann gefragt wurden, ob sie auch in Staffel 6, im Folgejahr teilnehmen möchten. Und alles blieb weiterhin eine Menge Spaß und großes Vergnügen. 

Die Kinder sind jetzt 10; das heißt ein riesiger Teil ihrer Kindheit hat sich um „Downton Abbey“ gedreht. Oliver und Zac verstehen heute voll und ganz, wie es ist, ein Kinderstar zu sein, sie sind sich dieser Bedeutung definitiv bewusst. Und sie lieben es, die Szenen immer wieder anzuschauen! Sie haben immer noch Castings für andere Projekte. Die Jungs verstehen aber auch, dass sie nicht jede Arbeit, für die sie vorgeschlagen werden, auch wirklich bekommen. Sie haben eine sehr normale und bodenständige Kindheit. Aber sie haben eben den zusätzlichen Bonus, dass sie in einigen Projekten mitspielen dürfen!

 

JNT: Die hochrangige Besetzung weist 1A-Qualität auf, tolle Schauspieler und Schauspielerinnen! Wie war es denn auf der menschlichen Ebene? Insbesondere im Umgang mit den Kindern? Haben die Darsteller da einen ausbalancierten Weg gefunden zwischen harter Arbeit und spielerischem Kontakt?

 

CFB: Ihr erster Tag am Set war magisch. Oliver und Zac hatten ihren eigenen Wohnwagen und wurden durch und durch verwöhnt. Sie bekamen einen neuen Haarschnitt und auch die Kostüme waren schon vorbereitet (wir waren vorher in London, um Maß zu nehmen für die Kostüme der Jungs). Fifi Hart (die die Rolle ihrer Cousine Sybbie spielt) erlebte ebenfalls ihren ersten Tag am Set; und die drei wurden sogleich großartige Freunde. Michelle Dockery, die ihre Mama spielt, war die erste Besucherin in ihrem Wohnwagen und es klickte augenblicklich zwischen ihnen, die Harmonie war sofort da. Die erste Szene, in der „George“ involviert war, war das Feuer zu Beginn der Staffel 5. Allen Leachs als „Tom Branson“ muss die Kinder retten, als sie in ihren Pyjamas aus dem Schloss fliehen. 

Wir verbrachten die nächsten paar Monate bei den Dreharbeiten auf Highclere Castle sowie in den Ealing Studios, wo die Staffel 5 gedreht wurde. Die gesamte Besetzung und alle Teammitglieder waren fantastisch im Umgang mit den Kindern – wir hatten alle nur ein Ziel: die ganze Erfahrung als Freude und Spaß zu erleben; und genau das war es eben auch! Es gab Tage, an denen Allen Leach mit ihnen Fußball spielte und Jim Carter sie in ihrem Wohnwagen besuchte, Lily James herzte sie mit innigen Umarmungen und verhätschelte sie mit Liebkosungen und Hugh Bonneville bedeckte die Wände seines Wohnwagens mit all den Bildern, die die Kinder für ihn gemalt hatten!

 

JNT: Was waren so die unvergesslichen Augenblicke, von denen die Brüder am stärksten beeindruckt waren? Gab es da ganz besondere Momente?

 

CFB: Ich glaube, am meisten überwältigt waren sie, als die Duchess of Cambridge [HRH Catherine, genannt Kate, die Gattin von Prinz William] zu einem Besuch ans Set kam. Zac wurde gebeten, ihr ein Blumensträußchen zu überreichen, sobald sie eintrifft. Und Oliver übergab ihr eine Holz-Eisenbahn für Prinz George. 

Ein weiterer bemerkenswerter Höhepunkt war ihre erste Veranstaltung auf dem Roten Teppich, anlässlich eines BAFTA Specials: Tribute to „Downton Abbey“. Am nächsten Tag waren Oliver und Zac in fast allen Zeitungen, Zeitschriften und TV Sendungen, was entzückend und wunderschön war. Ich habe ein Album angelegt mit Bildern all dieser Momente, so dass sie später, wenn sie älter sind, darauf zurückblicken können.

 

JNT: Ja, wer weiß, ob Prinz William und Herzogin Kate ihren Sohn wirklich nach diesem Windsor König benannt oder ihre Inspiration bei der Namensgebung in Wahrheit nicht doch beim „Crawley-Erben“ abgeschaut haben?!

Nein, ernsthaft, zurück zu den Dreharbeiten – wie werden die Szenen hinsichtlich der Aufteilung zwischen den Brüdern arrangiert? Hast du da als Mutter irgendwelches Mitspracherecht – ich meine, wer kennt die Jungs besser? Wobei man als Mutter wahrscheinlich noch nervöser ist, als die Kinder selber – ich hoffe, du selbst hast da auch etwas „Welpenschutz“ genossen. Wobei du den Eindruck machst, das Ganze relativ sachlich zu begleiten. Aufgeregt, aber durchaus nüchtern geerdet. Folgt der Regisseur deinen Empfehlungen, was die Kinder betrifft, falls du da Anregungen hast bzw. erlaubt er überhaupt irgendeine Art der Einmischung? Oder können das die beiden Jungen eventuell gar selbst entscheiden?

 

CFB: Oliver und Zac waren immer identisch gekleidet (von jedem Outfit wurden stets zwei angefertigt). Auf diese Weise konnten sie tauschen, wann immer ihnen der Sinn danach stand.

Die Jungs waren begeistert, als sie gefragt wurden, ob sie in die Rolle des „George“ schlüpfen wollen und zwar für den „Downton Abbey“ Film, der 2018 gedreht wurde. Alles war gleich; nur in einem weit größeren Rahmen! Und da gab es einen sehr lustigen Moment, als sie die Balkon-Szene drehten, in der der König und die Königin kamen, um Downton einen Besuch abzustatten. Oliver hatte die erste Szene gedreht, dann haben sie getauscht und Zac wurde gefilmt, diesmal von hinten … aber Oliver ist Rechtshänder und Zac ist Linkshänder; als sie also ihrer Mama zuwinkten, war es einfach nicht stimmig! Glücklicherweise war mir das aufgefallen und ich machte den Regisseur darauf aufmerksam, so dass die Stelle nochmal gedreht werden konnte!

 

JNT: Haben Oliver und Zac noch in anderen Filmen mitgewirkt? Und wie schaut‘s bei Megan aus – hat die Drillingsschwester auch schon Filmerfahrung?

 

CFB: Unmittelbar nach der Ausstrahlung von Staffel 5 nahm ein Agent Kontakt zu uns auf, mit der Anfrage, Guy Ritchie und sein Besetzungsteam bezüglich einer Filmrolle zu treffen. Oliver und Zac gingen los, um sich die Rolle des “Young Arthur” in “King Arthur” zu sichern. Das war ein enormer Spaß für die Jungs, weil das Filmset so unglaublich toll war! “King Arthur: Legend of the Sword” wurde zur gleichen Zeit gedreht wie die Staffel 6 von „Downton Abbey“. 

Sie haben auch in einem Film mit dem Titel “A United Kingdom” gespielt, in dem Megan ebenfalls einen Part übernommen hatte, was fantastisch war. Zudem hatten sie noch einige andere Fernsehrollen, aber „Downton Abbey“ bleibt ihr absoluter Favorit und bis dato ihre wichtigste Rolle.

Oliver hat inzwischen für einen neuen Weltraumfilm mit dem Titel „The Wonderful“ gedreht, der im April nächsten Jahres herauskommen soll. Es sind Geschichten über eine Raumstation, worüber er mehr als glücklich ist. Er ist ganz aus dem Häuschen, weil sie gerade jetzt im Schulunterricht den Weltraum durchnehmen!

Und wir halten alle Daumen gedrückt für den nächsten „Downton Abbey“ Film!

 

JNT: Welchen Berufswunsch äußern die Kinder? Soll es da im Schauspielfach weitergehen?

 

CFB: Zac würde später, wenn er älter ist, die Schauspielerei gerne fortsetzen. Oliver möchte tatsächlich Kampfflieger werden, aber nebenbei noch etwas schauspielern! Sie lieben Actionfilme und Stunts. Solche wie Tom Cruise sie in „Mission Impossible“ macht, das wäre so ganz nach ihrem Geschmack! Sie wären auch wahnsinnig gerne Teil der David Walliams Filme, da sie ganz versessen auf seine Bücher sind! Seit Megan 3 Jahre alt war, erklärt sie, dass sie später einmal, wenn sie erwachsen ist, Ärztin werden möchte. Also hoffen wir, dass auch sie sich ihren Traum erfüllen kann.

 

JNT: In dem Fall von Lieblings-„Kollegen“ aus dem Downton-Cast zu sprechen, wäre …, na ja, komisch, daher frage ich einfach mal nach dem „Lieblingsmenschen“ der beiden Jungs. Gab es da besondere Favoriten?

 

CFB: Oliver und Zac zählen definitiv Hugh Bonneville zu einem ihrer besten Freunde. Er lebt in der Tat auch ziemlich nah bei uns, daher ist es leicht, in Verbindung zu bleiben! Die Jungs lieben es, alles anzugucken, wo Hugh mitgespielt hat. Sie hatten auch eine sehr enge Beziehung zu Michelle [Dockery], haben sie aber hier in letzter Zeit nicht ganz so oft sehen können.

 

JNT: Oliver und Zac zählen bereits zu den Preisträgern unter den Schauspielern – wow! Was kannst du uns zu den Auszeichnungen verraten?

 

CFB: In 2015 haben Oliver und Zac einen SAG Award [Screen Actors Guild Award, ein renommierter Film- und Fernsehpreis, der alljährlich von der US-amerikanischen Schauspielergewerkschaft Screen Actors Guild verliehen und neben dem Golden Globe als Gradmesser für die bevorstehende Oscar-Verleihung angesehen wird] gewonnen, in der Kategorie „Best Ensemble Cast Performance“ (Bestes Schauspielensemble in einer Fernsehserie – Drama). 

Sie haben sich auch wahnsinnig gefreut, 2019 den „Child of Sussex Performer Award“ zu gewinnen. Sie lieben es einfach, eine Ausrede zu haben, sich in Schale zu werfen und sich im Smoking zu zeigen!

 

JNT: Man spricht bei Kinderstars oft von „verlorener Kindheit“. Den Eindruck gewinnt man bei deinen Kindern so gar nicht. Im Gegenteil, sie scheinen weit davon entfernt, da etwas Kindgerechtes zu verpassen. Ich habe eher das Gefühl, sie genießen die Aufmerksamkeit in vollen Zügen und erfreuen sich zu hundert Prozent am Geschehen?!

 

CFB: Nach der Welturaufführung des „Downton Abbey“ Films letzten Jahres gingen wir zur After-Show-Party in einem Privatclub in London. Zac sprach den DJ an und fragte, ob er ihm beim “Auflegen” helfen könnte. Er hat’s geliebt!!

 

JNT: Sag ich doch! … Clare, ich weiß, ihr habt momentan viel um die Ohren, schön, dass du dir dennoch die Zeit genommen hast, meine Fragen mit Oliver und Zac durchzugehen. Es war ein hochinteressantes Gespräch! Dir, Oliver und Zac vielen Dank dafür, Grüße an Megan und bleibt alle gesund!

 

© Julie Nezami-Tavi, November 2020

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50 Jahre Tatort – mit einer einzigen Konstante

50 Jahre die Augen eines Mannes. Doch wer steckt dahinter?
50 Jahre derselbe Vorspann – ein ganz spezielles Jubiläum.

Es ist die deutsche Krimireihe, die nicht zuletzt dank des traditionellen Vorspanns Kultstatus erreicht hat. Selten war sich die TV-Landschaft so einig, wie beim Festhalten an dieser Titelbildsequenz.

Im Trailer (gedreht auf dem Gelände des ehemaligen Münchner Flughafens in Riem) begleitet von der Musik von Klaus Doldinger, zu sehen: die Augen eines Mannes, dessen Beine, während er zu entfliehen versucht und seine Arme, mit denen er in ertappter Abwehrhaltung sein Gesicht zu verstecken trachtet, das Auge im Fadenkreuz. Ein Vorspann, der seine ganz eigene Geschichte birgt. Ein Vorspann, der Deutschlands Krimistatus einst auf ein ganz neues Level hob. Die Einführung als einzige Konstante. Heute, 50 Jahre nach der Erstausstrahlung, gibt es für diesen Vorspann nur noch eine Beschreibung: Kult.

Er hat mit aller Wahrscheinlichkeit Deutschlands bekannteste Augen und nebenbei auch noch die am häufigsten betrachteten »Beine auf der Flucht«. Die berühmten Tatort-Kultaugen, die heute fast noch mehr strahlen wie einst im Scheinwerferlicht auf dem ursprünglichen Flughafengelände München-Riem, sind die des ehemaligen Schauspielers und Regisseurs, Horst Lettenmayer.

Als Schauspieler hat er keine großen Meilensteine gesetzt, sehr wohl nennenswert ist jedoch sein künstlerisches Wirken in den 70er Jahren, als Regisseur, dann auch als Intendant und eigentlich in erster Linie als Pädagoge. Heute fast schon in Vergessenheit geraten, aber zu dem Zeitpunkt ein wichtiger Beitrag zum gemeinsamen kreativen Schaffen jüdischen und nicht jüdischen Miteinanders, hat Horst Lettenmayer einst das Junge Jüdische Theater gegründet und sieben Jahre lang auch geleitet. Für die im damaligen jüdischen Jugendzentrum aktive Theatergruppe Lo-Minor, von der man heute leichtfertig annimmt, dass sie erst seit einigen Jahren existiert, suchte man damals eigentlich so eine Art »Freizeitveranstalter«. Denn es waren im Grunde genommen ja Laien, die prominente Werke auf die Bühne bringen wollten. Horst Lettenmayer merkte schnell, dass er zu diesem Thema einen speziellen Zugang verspürte und auch über einen besonderen Draht zu den jüdischen Nachwuchsdarstellern verfügte. Wie alles in seinem Leben, übernahm er auch diese Aufgabe mit Herzblut.

Horst Lettenmayer hat nicht nur berühmte Augen, er hat auch ein Auge für das Wesentliche. Genau genommen hat er gar zwei Augen für das Wesentliche – in jeder Hinsicht! Das eine Auge glänzt für den Verstand, das andere erstrahlt für die Leidenschaft innovativer Lichtkreationen. Von der TV-kultigen Lichtgestalt zum kreativen Licht-Gestalter.

Nach einigen Jahren in der Bühnen- und TV-Landschaft, hat er sich im wahrsten Sinne des Wortes dem Licht verschrieben, wobei auch hier die Kunst keineswegs zu kurz kommt. Zielstrebig hat er sich ein Industrieunternehmen aufgebaut, in dem er sich austoben, wo er seine Ideen und Projekte in die Realität umsetzen kann.

Seine bemerkenswerte innere Zufriedenheit kommt nicht von ungefähr. Er besitzt die beneidenswerte Gabe, dass er exakt weiß, was er will. In Situationen, in denen es nicht so gut bis hin zu katastrophal läuft, reagiert er völlig gelassen. Er ist ein Analytiker vor dem Herrn, sachlich und kompetent.

Und so hat er früh festgestellt, dass der „schöne Schein“ in der TV-Branche nicht nur eine wesentliche Rolle spielt, sondern auch so manch anderes ans Tageslicht bringt. Den gleißenden Schein und das rechtzeitig erleuchtete Sein verstand er alsbald zu differenzieren. Denn er weiß, Leuchtkraft geht von mehr als nur einem Aspekt aus. Horst Lettenmayer, immer auf der Suche nach neuen Wegen, entdeckte für sich selbst die erweiterte Bedeutung von Rampen-Licht & Lampen-Fieber.

Er tauschte Rampenlicht gegen Lampenlicht. Während sich das Lampenfieber in fieberhaftes Glühen für innovative Lampenkunst wandelte. Anstelle sich im mitunter blendenden Scheinwerferlicht zu tummeln, konstruiert er seit geraumer Zeit die hell erstrahlenden Lichter für Wohnidylle, Büro und Komfort.

Mit seinem Beleuchtungsunternehmen hat der prinzipiengetreue Horst Lettenmayer ein Lebenswerk geschaffen. Was er erreichen wollte, hat er erzielt und doch ist er mit seinen kreativen Einfällen noch lange nicht am Ziel. Sein Ideenvorrat scheint schier unerschöpflich und so gestalten sich Endpunkte nur zu Zwischenetappen. Wenn der imaginäre Zielrichter die schwarz-weiß karierte Zielflagge für ihn schwenkt, ist Horst Lettenmayer längst wieder auf dem Weg zu einem neuen Startplatz.

Einfallsreichtum ist keine Zeiterscheinung. Das weiß auch Horst Lettenmayer und so hat der Visionär viel Pionierarbeit geleistet. Und das auf den unterschiedlichsten Gebieten. Seine Vielseitigkeit hat sich für ihn ausbezahlt, aber eigentlich geht es ihm lediglich darum, sich zu verwirklichen. Der Weg ist das Ziel! Und die Richtung gibt er selbst vor.

Wenn Emotionen die Übermacht gewinnen, versagt die sachliche Vernunft. Davor bewahrt ihn sein Instinkt. Auf seinen Instinkt konnte sich Horst Lettenmayer seit jeher verlassen. Obwohl sich Horst Lettenmayer selbst als hochemotionellen Menschen betrachtet, ist er in erster Linie gelassener Kopfmensch. Ratio besitzt bei ihm oberste Priorität! Dadurch behält er einen kühlen Kopf, ist aber keineswegs eine unterkühlte Persönlichkeit. Sachlich und analytisch geht er Ursachen auf den Grund – und reagiert!

Immer wieder stoßen wir bei ihm auf Gegensätze, die sich tatsächlich nicht widersprechen. Er ist höchst cool, doch keineswegs kaltherzig. Er reagiert emotionslos, aber das wiederum mit viel Gefühl. Er ist vom Naturell her kein Spieler und spielt dabei so gerne – mit den Möglichkeiten, die das Leben bietet.

Horst Lettenmayer ist der Analytiker unter den Visionären. Und er lebt sein Motto. Er selbst sagt: »Was ich beginne, das mache ich zu Ende. Hinterher, wenn es erfolgreich war, habe ich mein Motto erreicht: jeden Tag mit einem kleinen Erfolg zu beenden. Ich muss mit einem positiven Gefühl ins Bett gehen, dann ist man morgens auch gut drauf.«

© November 2020, Julie Nezami-Tavi

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150. Geburtstag, Franz Lehár – der Opernkomponist unter den Operettenschöpfern

Traumwelt Operette – doch ist Operette wirklich nur eine Traumwelt?

„Zur Heimat, nein, nie kehr ich zurück. Und ohne Reue ist mein Glück. Jeder liebt auf seine Weise. Ohne Furcht und Reue, so liebe ich.“ Gefühlsbetont begibt sich Zorika („Zigeunerliebe“) in eine fremde Welt, in ihre Traumwelt im wahrsten Sinne des Wortes. Doch gerade in ihren Träumen begegnet sie der Realität.

Lieder formulieren Träume und Träume sind nun einmal ein wesentlicher Bestandteil des Lebens. Gerade Operettenträume sind bezeichnend dafür, wie die Wunschträume des Zuschauers mit dem Bewusstsein für die Realität in Verbindung stehen. „Gib mir dort vom Himmelszelt alle Sterne dieser Welt.“ Mit jeder Operette bekommt das Publikum zumindest einen jener Sterne gereicht. Der dargebotene Stern besitzt die nötige Leuchtkraft, um den Weg sichtbar zu machen durch manch alltägliche Dunkelheit.

Zu den am hellsten strahlenden Sternen am Komponisten-Himmel zählte zweifelsfrei Franz Lehár. Lehárs vielschichtiges Bühnenwerk umfasst Operetten wie „Die lustige Witwe“, „Das Land des Lächelns“, „Giuditta“, „Der Graf von Luxemburg“, „Der Zarewitsch“, „Paganini“, „Zigeunerliebe“, „Frasquita“, „Eva“, usw. 

Franz Lehár bekannte sich Zeit seines Lebens mit der Art und Weise seiner Unterschrift zu seiner ungarischen Herkunft. Wie im Ungarischen traditionell üblich, setzte er seinen Taufnamen „Ferenc“ hinter den Nachnamen. Trotzdem und obwohl er von seinen Eltern bewusst als Ungar erzogen wurde und obwohl er bis zu seinem 12. Lebensjahr auch nur der ungarischen Sprache mächtig war, dennoch ließ er in seinen Operetten den original ungarischen Klängen und Stilelementen keine tragende Rolle zuteilwerden. Bis zum Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie (1918) befasste er sich gar nur ein einziges Mal mit dem ungarischen Kolorit. Die 1910 entstandene „Zigeunerliebe“ war bis zum Ende der Monarchie die einzige Operette Lehárs, in der er seine ungarische Herkunft musikalisch nicht versteckte. Dementsprechend wurde die Operette „Zigeunerliebe“ aber auch von der „Neuen Freien Presse“ (Wien) mit verbalen Knüppeln niedergestreckt. Nach diesem einzigen Versuch, den Zymbal- und Geigenklängen (von der Wiener Presse als „Gefiedel und Gejohle“ diffamiert) eine Existenzberechtigung in der Operette zuzuschreiben, dauerte es bis 1918 (Ende der Monarchie), bis Lehár sich an das nächste Werk mit ungarischem Kolorit heranwagte: „Wo die Lerche singt“. 

Somit war Franz Lehár, einer der Mitbegründer der sogenannten Silbernen Operettenära, ein bezeichnendes Beispiel dafür, wie der Lokalpatriotismus, der in Wien vom Publikum, aber vor allem angespitzt durch die Wiener Presse ausging (dasselbe Szenario von vorherrschendem Lokalpatriotismus fand sich übrigens in gleichem Maße auch in Budapest), die Komponisten dieser Operettenära unter Druck setzte. Obgleich Lehár spätestens seit der „Lustigen Witwe“ (1905) zu den Villenbesitzern in Bad Ischl zählte und Dank eines weitverzweigten Netzes an Kanälen, innerhalb dessen die Tantiemen aus aller Welt flossen, keinerlei Existenzsorgen befürchten musste, zeigte er keinen Wagemut, sich gegen die vorherrschende Meinung aufzulehnen. Man erwartete von der Operette die eigenen musikalischen Stilelemente, und nach jeder Premiere wurde von der Presse in penibelster Art und Weise Bilanz gezogen, um die Relation zwischen den österreichischen und ungarischen Klängen herauszustellen und die Verhältnismäßigkeit ebenso akkurat wie kleinkariert zu untersuchen. Franz Lehár (wie übrigens auch Emmerich Kálmán) war sehr wohl bewusst, dass man in Wien ausschließlich mit dem Walzer Karriere machen konnte. So wie sich der Walzer in der Operette positioniert hatte, war es letzten Endes kein Wunder, dass sich Lehár und auch Kálmán selbst als arrivierte Komponisten lange Zeit nicht aus dem musikalischen Inkognito ihrer ungarischen Herkunft heraustrauten.

Nichtsdestotrotz hob sich Franz Lehár ganz entschieden von den anderen Komponisten seiner Zunft ab. Ebenso wie bei den anderen bereitete der Frohsinn seiner beschwingten Melodien einzigartiges Vergnügen. Doch Lehár mochte nie so ganz auf die Wesensmerkmale der Ernsthaftigkeit verzichten. Insbesondere in Operetten wie „Land des Lächelns“, „Paganini“ und „Zarewitsch“, ansatzweise auch bereits in Großteilen der „Zigeunerliebe“, brachte Franz Lehár seine Neigung zum ernsten opernhaften Sujet musikalisch nachhaltig zum Ausdruck und schaffte romantische Bühnenwerke von einprägsamer musikalischer Schönheit. In seiner dritten und letzten Schaffensphase quittierte der Komponist den Dienst am sonst in der Operette gern gesehenen Happy End. Stattdessen bevorzugte Lehár in der Grundstimmung seiner Operetten das pathetische Sentiment, das bis dahin überwiegend in Opern vorherrschte. Er ließ sich dabei in erster Linie von einem Kollegen anspornen und anregen: Giacomo Puccini. Gerade bei „Land des Lächelns“, aber auch bei anderen Werken Lehárs lässt sich der Einfluss Puccinis kaum wegdiskutieren. Franz Lehár und Giacomo Puccini waren eng befreundet und tauschten auch gerne Partituren aus, um sich gegenseitig zu inspirieren.  

Man sollte sich nicht der Illusion hingeben, das Genre Operette als „leichte Muse“ zu unterschätzen. Gerade in Lehárs Werken bedarf es ebenso einfühlsamen wie ausdrucksstarken Darstellern. Und vor allem stellt Lehárs Musik hohe musikalische Anforderungen an die Interpreten.  Und so darf es nicht verwundern, dass kein Opernsänger, der etwas auf sich hält, darauf verzichtet, „Dein ist mein ganzes Herz“ (Land des Lächelns) stolz und repräsentativ seinem Repertoire hinzuzufügen.   

© November 2020, Julie Nezami-Tavi

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In Memoriam Eric Assous

„Boulevardkomödien sind eine extrem schwierige Kunst“ sagte Eric Assous im Interview. „Man muss mit mathematischen Gleichungen ans Werk gehen, und alles gleichzeitig bedienen: Literatur, Mathematik und Beobachtung. Ich bin bei allen Proben dabei, um sicher zu gehen, dass der Text, mit dem der Schauspieler konfrontiert ist, auch funktioniert.“  Und daran hat er sich gehalten und uns wunderbare Stücke geschenkt, jedes Jahr eines oder zwei.  

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Am 12. Oktober 2020 ist Eric Assous in Paris gestorben. Wie viel Unvollendetes uns da vorenthalten wird!                                                                   

Eva Giesel

LITAG Theaterverlag München

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In Memoriam Eric Assous

„Boulevardkomödien sind eine extrem schwierige Kunst“ sagte Eric Assous dem Figaro. „Man muss mit mathematischen Gleichungen ans Werk gehen, und alles gleichzeitig bedienen: Literatur, Mathematik und Beobachtung. Ich bin bei allen Proben dabei, um sicher zu gehen, dass der Text, mit dem der Schauspieler konfrontiert ist, auch funktioniert.“

2003 haben wir uns kennengelernt, sein Stück Les Montagnes Russes (Achterbahn) hat mir auf Anhieb gefallen. Ich war so stolz auf diesen Vertrag mit ihm. Sofort habe ich mich daran gesetzt, das Stück zu platzieren. In kürzester Zeit hatte ich zwei Theater, die interessiert waren. Und dann kam die Enttäuschung, keiner der möglichen männlichen Protagonisten biss an. Jedes Jahr zwei Mal traf ich Eric und erzählte von dem Desaster. Er hätte jederzeit den Vertrag zurückziehen können, da die Laufzeit bis zur DEA längst überschritten war. Eric tröstete mich:  bis er in Paris auf der Bühne angekommen war, habe es auch lange gedauert. Endlich klärte mich ein Schauspieler über meinen Denkfehler auf: Ich hatte das Stück damit beworben, dass Alain Delon in Paris diese Rolle gespielt hat. Das hat mögliche „Namen“ abgeschreckt und nicht  – wie ich dachte – motiviert.

Im März 2009 war es dann endlich soweit, die Komödie am Marquart in  Stuttgart hat begonnen und der Bayerische Hof in München gleich nachgezogen, und dann kam ein Theater nach dem anderen. Und Eric schrieb jedes Jahr ein oder zwei Stücke. Es waren immer politische Stücke, „Alltagspolitik“ wie er es nannte,  klug eingebaut in Komödien.

„Man muss den literarischen Firnis entfernen und dem Realismus wieder zu seinem Recht verhelfen“ betonte er. „Ich habe nicht wirklich ein glamouröses Leben, das muss ich zugeben. Aber ich habe, glaube ich, eine gute Beobachtungsgabe. Wenn mir jemand sein Leben erzählt, dann versuche ich das herauszufiltern, was vielleicht universell ist. Und das bleibt in einer Windung  meines Gehirns hängen bis es beim Schreiben wieder hochschwappt. Es genügt, die Ohren weit offen zu halten. Das grösste Kompliment, das man mir über ein Stück machen kann, ist: ‚Ich habe den Eindruck, Sie sprechen von mir.‘“

Am 12. Oktober 2020 ist Eric Assous in Paris gestorben. Wie viel Unvollendetes uns da vorenthalten wird!

Eva Giesel

LITAG Theaterverlag München