Wenn die Globalisierung in die Einbauküche vordringt
„Bedtime for Bastards“: Drei Einakter in den Lübecker
Kammerspielen
Ihre Vorstellung von einem großartigen Theaterabend sehe so aus, dass die
Hälfte des Publikums applaudiert, während die andere aufsteht und geht,
wird Vanessa Badham im Programmheft zitiert. Daran gemessen hätte die 29-jährige
australische Autorin in Lübeck eigentlich nicht zufrieden sein dürfen.
Doch nach der Premiere ihres Dreiteilers Bedtime for Bastards in den Kammerspielen
stand sie strahlend neben Regisseur Kai Festersen, Ausstatterin Beate Zoff und
den sechs Darstellern im einmütigen Beifall.
Vanessa Badham, die in London lebt, prangert in ihren Stücken vor allem die
sozialökonomischen Folgen der Globalisierung an, pendelt zwischen Realismus
und Groteske und nimmt sprachlich kein Blatt vor den Mund. Wie in Kitchen, dem
ersten der drei Einakter: Eine Unternehmensberaterin (Astrid Färber) findet
ihren Mann (Martin Olbertz) mit dem Kopf in der Backröhre des Gasofens vor.
Als Personalmanager war er derart erfolgreich, dass zuletzt niemand mehr da war
den er managen sonnte. Kommentar der Ehefrau: „Dich umbringen? Das fehlte
noch.“ Als Haussklave hat er immerhin noch eine gewisse Daseinsberechtigung.
Schnell, scharf und blutig wird - die Frage verhandelt, wer oder was Macht über
uns besitzt - in ökonomischer, sexueller, physischer und psychischer Hinsicht.
Während es im Mittelteil Morning an a Rainy Day vergleichsweise unpolitisch
zugeht (Philipp Romann und Frederike Schinzler als Bettgenossen zwischen vermeintlicher
Unverbindlichkeit und großem Gefühl), treibt Capital die Kritik der
Autorin an den globalen Herrschaftsverhältnissen in zynischer Weise auf die
Spitze. Amerikanische Soldaten haben im Drogenrausch ein Massaker an afghanischen
Kindern verübt, zwei von der US-Regierung angeheuerte PR-Strategen sollen
die dabei entstandenen – und misslicherweise bei Al-Jazeera gelandeten -
Bilder für die Weltöffentlichkeit so umdeuten, dass Gut und Böse
am definierten Platz bleiben. Wie Martin Schwartengräber und Jan Becker sich
als durchgeknallte, aber hocheffiziente Profis ans Werk machen, ist schauspielerisch
absolut sehenswert.
Kieler Nachrichten